Heinz-Ulrich Nennen | www.nennen-online.de

ZeitGeister | Philosophische Praxis

Akademie für Philosophische Psychologie

Heinz–Ulrich Nennen

ANUVERSUM

Open Air Tempelhofer Feld 2025

Lie­be Freun­de von Thea­ter ANU,

wir laden ganz herz­lich vom 13. bis 23. August ins erste ANUVERSUM auf‚s Tem­pel­ho­fer Feld!

Wo genau?
Im gewohn­ten Spiel-Are­al vor dem Bier­gar­ten Tem­pel­Gar­ten, Ein­gang Columbiadamm.

Was ist das ANUVERSUM?
10 Tage Open Air auf dem Tem­pel­ho­fer Feld. 10 Tage Añu-Thea­ter­kunst mit bestem Sto­ry­tel­ling, schön­ster Cel­lo-Live­mu­sik, per­for­ma­ti­ven Expe­ri­men­ten, Work­shops, Ritua­len, sinn­li­chen Erfah­rungs­räu­men, einem Mythen-Diner, phi­lo­so­phi­schen Talks rund um das The­ma „LOKI, ODIN, THOR – Von Trick­stern, Rie­sen und Göt­tern“. Dreh- und Angel­punkt die­ses mythi­schen Kalei­do­skops ist die sinn­lich-fre­chen und sehr berüh­ren­den Abend­in­sze­nie­rung YGGDRASIL – Geschich­ten aus der Edda.

Wir neh­men euch mit „behind the sce­nes“. Wir zei­gen euch, wie wir seit 2005 arbei­ten und den­ken. Im „ver­flix­ten 13. Jahr“ auf dem Tem­pel­ho­fer Feld machen wir sicht­bar, was Thea­ter ANU im Inner­sten bewegt. Mit ins­ge­samt 13 ganz unter­schied­li­chen Pro­gramm­for­ma­ten wol­len wir euch auf dem Tem­pel­ho­fer Feld ver­sam­meln. Wir wol­len euch sehen! Wir wol­len wis­sen, wer ihr seid: unser Publikum!

Im ANUVERSUM fra­gen wir euch nach den Göt­tern, Trick­stern und Rie­sen in euch und unse­rer Gesell­schaft. Schau­en wir auf die aktu­el­le welt­po­li­ti­sche Lage, könn­te man mei­nen, das Gött­li­che sei voll­kom­men abwe­send, die Welt besteht nur noch aus Trick­stern, die nichts ande­res im Sinn haben, als die Welt aus den Angeln zu heben und ins Cha­os zu stür­zen: Alles ist ein unbe­re­chen­ba­res Spiel gewor­den. Und die Rie­sen unse­rer Zeit? Her­ab­stür­zen­de Glet­scher wie in der Schweiz (Blat­ten), star­ke Unwet­ter, Hit­ze­wel­len und…

Die nor­di­sche Mytho­lo­gie beschwört und fei­ert die Gegen­sät­ze, aus denen nicht nur die Welt ent­stand (Feu­er und Eis), son­dern die auch immer etwas Urmensch­li­ches auf­wei­sen. Loki ist die Brücke von den unsterb­li­chen Göt­tern zu uns Men­schen. Sei­ne impul­si­ve, lei­den­schaft­li­che, unbe­re­chen­ba­re Art, die das Gute will und stets das Böse schafft, bie­tet über­haupt erst die Basis für die Göt­ter, gött­lich zu sein: Sie sind gefragt, einen hel­den­haf­ten Kos­mos aus all dem Loki-Cha­os zu stiften…

Wir sehen uns, Loki, Odin, Thor!

www​.anu​ver​sum​.de

Bil­le & Ste­fan und das Thea­ter ANU-Team


Die Heldenreise

Geschichte aller Geschichten

Salon zum schönen Denken

Auf die Hel­den­rei­se, fer­tig, los!

Alle ein­schlä­gi­gen Mythen fol­gen oft dem Muster der Hel­den­rei­se: Ein Held oder auch eine Hel­din, die anfangs rein gar nichts ahnen, wer­den bald schon auf­bre­chen, um end­lich zu sich zu kom­men und ‚ganz‘ zu wer­den. – Aber bis dahin ist noch ein wei­ter Weg.

Die Hel­den­rei­se ist das Nar­ra­tiv aller Nar­ra­ti­ve, sie ist die Geschich­te aller Geschich­ten. Anfangs drängt sich eine bedroh­li­che Ange­le­gen­heit immer mehr in den Vor­der­grund. – So wie bis­her kann es ein­fach nicht mehr weitergehen.

Eine schon lang anste­hen­de Aus­ein­an­der­set­zung muss end­lich aus­ge­tra­gen wer­den, um mit sich und der Welt wie­der ins Rei­ne zu kom­men. – Erst kommt es zur Kri­se und dann zum Auf­bruch auf eine Rei­se, die zu den Quel­len des Übels füh­ren soll. Es geht schluss­end­lich um die Schat­ten in unse­rer Psy­che. Das ist dann auch die Erklä­rung, war­um die­se Erzähl­wei­se so über­aus popu­lär ist. Der­ar­ti­ge Geschich­ten fas­zi­nie­ren, weil sie immer auch etwas mit uns zu tun haben…

Heinz-Ulrich Nen­nen, geb. 1955 in Rhei­ne im Ems­land, ist Pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie am Karls­ru­her Insti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT).
The­men: Phi­lo­so­phi­sche Psy­cho­lo­gie – Selbst­er­fah­rung, Hel­den­rei­se, – Mythen, Mär­chen, Mei­ster­er­zäh­lun­gen – Psy­cho­ge­ne­se, Ideen­ge­schich­te – Ori­en­tie­rungs­wis­sen, Selbst­ori­en­tie­rung – Kör­per, See­le, Lie­be, Selbst und Geist – Dia­lo­ge, Dis­kur­se und Meta­phern sowie Zeit­geist- und Diskursanalysen.

Prof. Nen­nen ver­an­stal­tet Phi­lo­so­phi­sche Cafés und betreibt eine Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis in Münster.

Sein Mot­to: „Zunächst muss das Eigent­li­che zur Spra­che gebracht wer­den, denn nur so kommt das Neue ins Den­ken. Von dort kann es in die Welt gelan­gen und spä­te­stens dann wird es auch im eige­nen Leben nicht ganz ohne Wir­kung bleiben.“

Salon zum schö­nen Denken.

Mit dem Phi­lo­so­phen Heinz- Ull­rich Nennen 

Phi­lo­so­phi­scher Erfahrungsraum


DER TRICKSTER: Chaot und Schöpfer

Salon zum schönen Denken

Unab­hän­gig von Thea­ter, Film und Cir­cus, spie­len die Trick­ster in unse­rer Gesell­schaft eine immer grö­ße­re Rol­le: Ob Poli­ti­ker wie Donald Trump, Inve­sto­ren, die mit Geld jon­glie­ren, als wäre es nichts oder schein­ba­re Visio­nä­re, die der Mensch­heit einen Gefal­len tun möch­ten, in dem sie ein Leben auf dem Mars ermög­li­chen. Trick­ster stür­zen die Welt ins Cha­os – und das aus gutem Grund! Ohne Cha­os kein Kos­mos. Die Welt braucht also den Trickster?

Heinz-Ulrich Nen­nen, geb. 1955 in Rhei­ne im Ems­land, ist Pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie am Karls­ru­her Insti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT).
The­men: Phi­lo­so­phi­sche Psy­cho­lo­gie – Selbst­er­fah­rung, Hel­den­rei­se, – Mythen, Mär­chen, Mei­ster­er­zäh­lun­gen – Psy­cho­ge­ne­se, Ideen­ge­schich­te – Ori­en­tie­rungs­wis­sen, Selbst­ori­en­tie­rung – Kör­per, See­le, Lie­be, Selbst und Geist – Dia­lo­ge, Dis­kur­se und Meta­phern sowie Zeit­geist- und Diskursanalysen.

Prof. Nen­nen ver­an­stal­tet Phi­lo­so­phi­sche Cafés und betreibt eine Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis in Münster.

Sein Mot­to: „Zunächst muss das Eigent­li­che zur Spra­che gebracht wer­den, denn nur so kommt das Neue ins Den­ken. Von dort kann es in die Welt gelan­gen und spä­te­stens dann wird es auch im eige­nen Leben nicht ganz ohne Wir­kung bleiben.“
Bil­le Behr und Ste­fan Behr sind der Kopf von Thea­ter ANU. Sie sind Thea­ter­ma­cher und Unter­neh­me­rin­nen. Sie lie­ben das Spiel, die Erzäh­lung und die Begeg­nung. Ste­fan ist Autor, Bil­le Regis­seu­rin, per­for­men tun sie bei­de immer wie­der. Zusam­men ist er der Kopf und sie der Kör­per – gemein­sam mit ihrer ANU-Fami­lie aus wun­der­ba­ren Künstler*innen und krea­ti­ven Techniker*innen kre­ieren sie seit vie­len Jah­ren ihre Poe­ti­schen Welten.

Mit Ste­fan Behr, Bil­le Behr und dem Phi­lo­so­phen Heinz-Ull­rich Nennen

Phi­lo­so­phi­scher Erfahrungsraum

Mit Ste­fan Behr, Bil­le Behr und dem Phi­lo­so­phen Heinz-Ull­rich Nennen

Phi­lo­so­phi­scher Erfahrungsraum

19:00h @Tempelhofer Feld
Aug
20
Der Trick­ster: Cha­ot und Schöpfer
Ein phi­lo­so­phi­scher Erfahrungsraum
19:00

DER TRICKSTER: Cha­ot und Schöpfer


Gespräche und Begegnungen

Per­sön­li­che Über­zeu­gun­gen set­zen sich zusam­men aus einer Viel­falt von Moti­ven aus den unter­schied­lich­sten Sek­to­ren, die wir oft nur zum Teil selbst über­prüft haben. Vie­les davon ist nicht selbst erdacht, son­dern nur übernommen.

Im Zwei­fels­fall, also immer dann, wenn man es wirk­lich genau wis­sen will, stellt sich die Fra­ge, wie sicher, wie ent­schei­dend, wie bela­stungs­fä­hig sind unse­re Vor­an­nah­men und Vor­stel­lun­gen wirk­lich? Das­sel­be gilt für Lebens­er­eig­nis­se, die zu ver­ste­hen natur­ge­mäß schwer fal­len kann.

Die Kunst der phi­lo­so­phi­schen Pra­xis besteht dar­in, jedes Gesamt­ur­teil zunächst wie­der auf­zu­lö­sen in die ein­zel­nen Bestand­tei­le, aus denen es zusam­men gesetzt ist. Viel­leicht ergibt sich schluß­end­lich, daß, was gedacht wur­de, schon sehr ange­mes­sen gewe­sen sein dürf­te, viel­leicht ergibt sich aber auch eine völ­lig neue Sicht der Dinge.

Es gilt, das eige­ne Urteils­ver­mö­gen noch­mals selbst zu beur­tei­len, denn Wis­sen allein genügt nicht. Es könn­te sich schließ­lich auch nur um gefühl­tes Über­zeugt­sein han­deln, also um etwas, das nur wie eine kon­se­quen­te Den­kungs­art erscheint. — Wenn etwas unbe­dingt gel­ten soll, dann muß es sich auch bewäh­ren kön­nen. Also soll­te es mög­lich sein, das eige­ne Wis­sen zu wis­sen, sich des eige­nen Bewußt­seins noch­mals bewußt zu wer­den und auch dem eige­ne Füh­len noch ein­mal nach­zu­füh­len. Alle­dem dient der Dia­log in der phi­lo­so­phi­schen Praxis.

Ent­schei­dend ist nicht das Ergeb­nis eines Gedan­ken­gangs. Viel wich­ti­ger ist es, auf wel­che Wei­se das eige­ne Den­ken zustan­de kommt. Daher ist es so wich­tig, auch das, was noch so selbst­ver­ständ­lich erscheint, zur Dis­po­si­ti­on zu stel­len, denn wenn es etwas Bewähr­tes und wirk­lich ver­läß­lich ist, dann wird es sich auch in einer Bewäh­rungs­pro­be erneut als ver­läß­lich erweisen.—Wir soll­ten also genau­er in Augen­schein neh­men, was wir wirk­lich wis­sen, was wir wis­sen müß­ten und was wir womög­lich gar nicht wis­sen kön­nen. So wird die Qua­li­tät aber auch die Begrenzt­heit des eige­nen Urteils­ver­mö­gens genau­er bewußt.

Phi­lo­so­phie ist inso­fern stets eine Fra­ge nach den Gren­zen des­sen, was sich sagen läßt. Die Fra­ge ist dabei immer, wie viel vom Gan­zen haben wir eigent­lich wirk­lich sicher im Blick?—Philosophieren bedeu­tet, ein fei­nes Gespür dafür zu ent­wickeln, wie weit ein­zel­ne Aus­sa­gen jeweils tra­gen, wann ein Wort sei­ne Bedeu­tung zu ver­lie­ren beginnt, wann irgend etwas an einer Aus­sa­gen nicht mehr zutref­fend sein kann…

Um zu ver­ste­hen, müs­sen wie erst ein­mal den Dia­log eröff­nen. Das gelingt am ehe­sten durch den gemein­sa­men Ver­such, sich gemein­sam anhand per­sön­li­cher Nar­ra­ti­ve tie­fe­re Ein­blicke zu eröff­nen. Die­ses Son­die­ren ver­langt einen hohen Grad an Fle­xi­bi­li­tät, man­che unse­rer ver­meint­li­chen Beweg­grün­de sind näm­lich oft nur vor­der­grün­dig. Daher ist es wich­tig, was sich eigent­lich hin­ter unse­ren Kulis­sen abspielt.

Cas­par David Fried­rich: Auf dem Seg­ler (1818f).

Um ins Ver­ste­hen zu gelan­gen, arbei­ten wir inten­siv mit Sym­bo­le und Alle­go­rien aus Mythen und Mär­chen, ins­be­son­de­re mit­hil­fe von Idea­len, wie sie die Göt­ter ver­kör­pern. Dahin­ter ver­birgt sich man­ches, was unse­rem Den­ken in abstrak­ten Begrif­fen wie­der mehr Inhalt, mehr Leben, Geist und Gefühl ver­mit­teln kann.—Philosophie ist weit mehr als trocke­ne Theo­rie, eis­kal­te Metho­de oder rhe­to­ri­sche Spie­gel­fech­te­rei. Phi­lo­so­phie hat eine Pra­xis, die sich selbst oft ganz anders dar­stellt, die nicht nur unter­halt­sam, son­dern auch erhel­lend und erhei­ternd sein kann. —Das Lachen ist schließ­lich ein immer wie­der­keh­ren­der Topos in der Philosophie.

Es gilt, mit der Spra­che bis zu den Gren­zen des bis­her Sag­ba­ren vor­zu­drin­gen. Dort sind die Quel­len für ein neu­es Selbst­ver­ständ­nis, für tie­fe­res Ver­ste­hen und neue Lebens­kon­zep­te, so daß sich wie­der neu­es Ver­trau­en und Selbst­ver­trau­en moti­vie­ren und fin­den läßt. Daher ist Inspi­ra­ti­on so wesent­lich. Es gilt, neue Ein­drücke, Gedan­ken und Gefüh­le zur Spra­che zu brin­gen, um neu­en Ein­drücken eben­so wie Gefüh­len mehr Raum zuzugestehen.

Phi­lo­so­phie ist nicht nur Theo­rie son­dern auch Pra­xis, geleb­te Pra­xis. Sie setzt daher eine gei­sti­ge Mobi­li­tät vor­aus, die dar­auf aus ist, stän­dig die Per­spek­ti­ve zu wech­seln, um dabei auch die eige­ne Posi­ti­on, also sich selbst zu riskieren.

Honorar

Ein erstes Vor­ge­spräch von 30 Minu­ten ist honorarfrei.

  • 60 Minu­ten 75€
  • 90 Minu­ten 100€
  • 120 Minu­ten 125€

Arrangements

Gesprä­che sind online mög­lich via 

Zoom Logo

Persönliche Begegnungen

Tref­fen sind im Mün­ster­land möglich.

Etwa beim Mit­tag­essen im Gast­haus Stuhl­ma­cher am Prinzipalmarkt:

Beim Kaf­fee im Lux im Lan­des­mu­se­um Münster:

LUX-avatar

Beim Essen im Ristor­an­te Il DiVi­no mit Blick auf den Aase:

Oder an einem ande­ren geneh­men Ort. 

Kon­takt per Email: heinz-ulrich.nennen@t‑online.de


Vom Erkennen zum Handeln

Theorie und Praxis

Der Über­gang vom Erken­nen zum Han­deln geht immer mit einem Ver­lust an kri­ti­scher Offen­heit ein­her. Beim Han­deln ist es näm­lich nicht för­der­lich, jetzt noch fun­da­men­ta­le Zwei­fel gel­tend zu machen.—Wer zu han­deln beginnt, wech­selt von der Theo­rie zur Pra­xis und ist dann nicht mehr unbeteiligt. 

Es geht jetzt weni­ger ums Ver­ste­hen, son­dern um ein Han­deln mit Absich­ten und Zie­len. Daher ist gene­rel­le Kri­tik nicht mehr ange­bracht, denn das wür­de in Wider­sprü­che füh­ren.—Zau­dern ist daher ein Zei­chen, daß wir uns unse­rer Sache noch nicht sicher sind. 

Wil­liam-Adol­phe Bouguereau:
Inspi­ra­ti­on (1898).

Ent­schei­dend ist ein Wech­sel der Per­spek­ti­ven. Der vor­mals noch unbe­tei­lig­te Zuschau­er muß sei­ne vor­ma­li­ge Posi­ti­on auf­ge­ben, um ins Gesche­hen ein­grei­fen zu kön­nen. Aber dann ist es kaum mehr mög­lich, zugleich das gan­ze Gesche­hen wei­ter kri­tisch zu betrachten.—Aber es geht auch nicht mehr um Erken­nen und Ver­ste­hen. Beim Han­deln set­zen wir ande­re Schwer­punk­te, denn wir sind dann auf Gelin­gen aus. 

Wir sind dann in einem Pro­zeß, den wir selbst ange­sto­ßen haben. Dann kommt es weni­ger dar­auf an, was wir gedacht, erahnt oder befürch­tet haben, son­dern was ist und wer­den soll.—Im Unter­schied zum Erken­nen, setzt das Han­deln ganz eige­ne Prä­fe­ren­zen. Dar­auf soll­te sich gera­de auch die Selbst­kri­tik ein­stel­len, denn jetzt kann Kri­tik stär­ken oder auch schwächen. 

Die Initia­ti­ve, der erste Schritt ist stets ein beson­de­res Ereig­nis. Infol­ge­des­sen kommt es zur Palast­re­vo­lu­ti­on im eige­nen Selbst. Die Auf­merk­sam­keit muß eine ande­re wer­den, weil jetzt die eige­ne Pra­xis auf dem Spiel steht.—Fort­an spielt sich unse­re Wirk­lich­keit nicht mehr allein in der Vor­stel­lung ab, son­dern in der Welt. Han­deln ist eine Welt für sich, daher zäh­len vor allem prak­ti­sche Perspektiven.

Dann erle­ben wir uns von unge­wohn­ter Sei­te. Sich selbst dabei bei­zu­ste­hen, ist wesent­lich.—Das Selbst hat die Auf­ga­be, die unter­schied­li­chen Per­spek­ti­ven unse­res Bewußt­seins immer wie­der neu zu orga­ni­sie­ren. Sobald wir zum Han­deln über­ge­hen, müs­sen wir uns ver­ge­wis­sern kön­nen, wor­auf es eigent­lich ankom­men soll.

Auf­merk­sam­keit muß ange­mes­sen sein. Der­weil ist die Pra­xis erfüllt von einem beson­de­ren Augen­merk für ent­schei­den­de Momen­te. Dazu gehö­ren Erfah­rung, Urteils­fä­hig­keit und vor allem Inspiration.


Philosophie als Lebenskunst

Die Son­der­rol­le der Philosophie

Weil wir gern das gro­ße Gan­ze in den Blick neh­men, sind eini­ge Atti­tü­den der Gegen­wart nicht gera­de hilf­reich.—Ratio­na­lis­mus, Mate­ria­lis­mus und Szi­en­tis­mus ver­fü­gen über eine Auto­ri­tät, die ihnen nicht zusteht. Sie wei­sen uns in unse­rem Ansin­nen auf Hin­ter­grün­de oft ein­fach nur ab. 

Allen­falls bestimm­te Erklä­rungs­mu­ster wer­den aner­kannt. – So ent­steht der Ein­druck, alles ande­re sei nichts­sa­gend. Aber das täuscht, denn die Angst vor der Meta­phy­sik ist spür­bar, eben­so wie die Dürf­tig­keit der Erklä­run­gen, die so gar nichts mehr vom Entdecker–Geist der gro­ßen natur­wis­sen­schaft­li­chen Epo­chen haben. 

Tat­säch­lich wer­den unse­re Fra­gen nicht beant­wor­tet, allen­falls abge­fun­den, abge­lenkt und nicht sel­ten sogar als „unwis­sen­schaft­lich” zurück­ge­wie­sen. Der­weil insze­niert sich der Szi­en­tis­mus als all­ge­mein ver­bind­li­che Weltanschauung.—Als wäre eine bestimm­te Vor­stel­lung von Wis­sen­schaft inzwi­schen an die Stel­le der Kir­che getre­ten, wird inzwi­schen mit ähn­li­chen Sank­tio­nen ope­riert, etwa wenn Exkom­mu­ni­ka­ti­on gegen Anders­den­ken­de und Kri­ti­ker ver­hängt wird. 

Auch man­che Phi­lo­so­phen ver­su­chen, sol­chen Erwar­tun­gen zu ent­spre­chen und ver­spie­len, was Phi­lo­so­phie eigent­lich aus­macht, was sie immer sein und blei­ben wird: Phi­lo­so­phie läßt sich nicht ein­schrän­ken, weder auf poli­ti­sche, gesell­schaft­li­che, noch auf wis­sen­schaft­li­che Ideo­lo­gie.—Sokra­tes hat das demon­striert, als er den Schier­lings­be­cher nahm. 

Fran­çois Xavier Fab­re: Der Tod des Sokra­tes (1802).

Alles war zur Flucht vor­be­rei­tet. Der Wäch­ter war besto­chen, die Pfer­de stan­den bereit, aber Sokra­tes floh nicht.—Wäre er geflo­hen, um sein Leben zu bewah­ren, er hät­te allem wider­spro­chen, was ihm zeit­le­bens lieb und teu­er war. 

Sokra­tes wäre zur Witz­fi­gur ver­kom­men, die nur redet, im Zwei­fel aber ein­zig um den per­sön­li­chen Vor­teil besorgt wäre.—Aber Sokra­tes ent­schied im Sin­ne sei­ner Lebens­kunst. Er hat alles gegen­ein­an­der abge­wo­gen und dar­auf beschlos­sen, lie­ber zu ster­ben, als sich selbst zu demütigen. 

Lebens­kunst ist die Pra­xis der Phi­lo­so­phie, ent­schei­dend sind kon­kre­te Fra­gen nach der rich­ti­gen Lebens­füh­rung. Dabei geht es um Aner­ken­nung, Glück, Selbst­sor­ge, Wer­te und Askese.—Gerade Wer­te spie­len eine bedeu­ten­de Rol­le, denn es muß oft erst geklärt wer­den, was woge­gen abge­wo­gen wer­den soll. Und bei alle­dem geht es um eine Urteils­fä­hig­keit, die in der Lage sein soll, gera­de auch in heik­len Fra­gen noch begrün­det, nach­voll­zieh­bar und per­sön­lich zu entscheiden. 

Phi­lo­so­phie ist wand­lungs­fä­hig. Sie kann als Wis­sen­schaft, Geschich­te, als Lite­ra­tur oder auch Kunst auf­tre­ten. Der­weil ver­fügt sie über direk­te Zugän­ge ins Zen­trum jeder erdenk­li­cher wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­plin. Sie hat die­sen Zugang, weil sie gewis­ser­ma­ßen bei der Geburt aller Wis­sen­schaf­ten nicht unbe­tei­ligt war.—Aber auch weit dar­über hin­aus, etwa in Berei­chen von Kunst, Ästhe­tik, Medi­ta­ti­on oder auch Trance kann sie hei­misch werden. 

Phi­lo­so­phie als Lebens­kunst ver­folgt eige­ne Zie­le und geht eige­ne Wege. Es wird immer wich­ti­ger, Alter­na­ti­ven in der Exper­to­kra­tie zu bie­ten. Sich wirk­lich gut bera­ten zu las­sen, ist selbst eine Fra­ge der Lebenskunst.—Weniger unser Kör­per oder gar unse­re Mate­rie sind ent­schei­dend, wesent­li­cher sind unse­re Psy­che mit Leib und Seele. 

Wenn eine glück­li­che Exi­stenz unser Ziel ist, dann soll­ten wir uns auch des Ästhe­ti­schen bedie­nen. Schön­heit ist kei­ne Neben­säch­lich­keit, son­dern die heim­li­che See­le des­sen, was uns begei­stern und besee­len kann. Dann ent­wickeln sich so anspruchs­vol­le, ganz beson­de­re Qua­li­tä­ten wie Auf­merk­sam­keit, Acht­sam­keit und Authen­ti­zi­tät zwang­los und fast schon wie von selbst.


Die Heldenreise

Geschichte aller Geschichten

Alle ein­schlä­gi­gen Mythen fol­gen oft dem Muster der Hel­den­rei­se: Ein Held oder auch eine Hel­din, die anfangs rein gar nichts ahnen, wer­den bald schon auf­bre­chen, um end­lich zu sich zu kom­men und ›ganz‹ zu wer­den. – Aber bis dahin ist es noch ein wei­ter Weg.

Die Hel­den­rei­se ist das Nar­ra­tiv aller Nar­ra­ti­ve, ›die‹ Geschich­te aller Geschich­ten. Anfangs drängt sich eine bedroh­li­che Ange­le­gen­heit immer mehr in den Vordergrund.—So wie bis­her kann es ein­fach nicht mehr weitergehen.

Eine schon lang anste­hen­de Aus­ein­an­der­set­zung muß end­lich aus­ge­tra­gen wer­den, um mit sich und der Welt wie­der ins Rei­ne zu kom­men. – Erst kommt es zur Kri­se und dann zum Auf­bruch auf eine Rei­se, die zu den Quel­len des Übels füh­ren soll.

Gust­ave Moreau: Her­ku­les und die Ler­näi­sche Hydra (1876).

Nach alle­dem läßt sich auch der feh­len­de Teil der eige­nen Per­sön­lich­keit ent­wickeln und inte­grie­ren, um neben dem Ani­mus die nicht min­der wesent­li­che Ani­ma zu ›befrei­en‹.

Es geht schluß­end­lich um die Schat­ten in unse­rer Psy­che. Das ist dann auch die Erklä­rung, war­um die­se Erzähl­wei­se so über­aus popu­lär ist. Der­ar­ti­ge Geschich­ten fas­zi­nie­ren, weil sie immer auch etwas mit uns zu tun haben…

Einer 2019 im Lite­ra­tur­haus Karls­ru­he ver­an­stal­te­ten Rei­he Phi­lo­so­phi­scher Salons zum The­ma Hel­den­rei­se, ver­dan­ke ich wert­vol­le Ein­sich­ten. Eine Ver­an­stal­tung mit dem Schrift­stel­ler, Film­wis­sen­schaft­ler und Dreh­buch­au­tor Joa­chim Ham­mann, dem Autor einer bemer­kens­wer­ten Stu­die über ›Die Hel­den­rei­se‹, gab tie­fe Ein­blicke in die Abgrün­de der Nar­ra­ti­ve schick­sal­haf­ter Geschlech­ter­rol­len. (Joa­chim Ham­mann: Die Hel­den­rei­se im Film. Dreh­bü­cher, aus denen die Fil­me gemacht wer­den, die wirk­lich berüh­ren; Frank­furt am Main 2007.)

Die Kli­schees ver­mit­teln einen männ­li­chen Hel­den, der auf­bricht in der Absicht, eine ›gefan­ge­ne‹ Prin­zes­sin zu befrei­en. Dage­gen ist es eine inter­es­san­te Spe­ku­la­ti­on, ein­mal bewußt zwi­schen Hel­den und Hel­din­nen zu unterscheiden.

Die Ant­wort von Joa­chim Ham­mann war eben­so frap­pie­rend wie erhel­lend: Bei Män­nern gin­ge es dar­um, sich in der Welt zu bewei­sen, also erst die eige­ne Posi­ti­on zu finden.—Bei Frau­en hin­ge­gen gin­ge es zumeist dar­um, daß sie ›gebun­den‹ sei­en und sich aus die­ser fata­len Bin­dung erst befrei­en müßten.

Tat­säch­lich wird männ­li­chen Hel­den häu­fig ein ihnen eigent­lich zuste­hen­des Pri­vi­leg ver­wehrt. Zumeist hat sich ein Anver­wand­ter etwa des Throns zu Unrecht bemäch­tigt. Legi­ti­me Ansprü­che wer­den ver­wei­gert, statt­des­sen sol­len die Abge­wie­se­nen haar­sträu­ben­de Mut­pro­ben absol­vie­ren. Das geschieht in der Erwar­tung, daß sie nicht wie­der zurück­kom­men, son­dern den Tod finden.

Bei Hel­din­nen ver­hält es sich anders: Sie haben den sozia­len Schutz­raum ver­lo­ren. Häu­fig ist die Mut­ter gestor­ben und nun herrscht ein ande­res Regiment.—Die ange­hen­de Hel­din ist in eine pre­kä­re Lage ohne Aus­weg gera­ten. Das ist bei Aschen­put­tel der Fall: Die Mut­ter ist gestor­ben, der Vater hat eine ande­re Frau mit eige­nen Töchtern. 

Aber auf dem Grab der Mut­ter steht ein Strauch mit Zaubernüssen…

Die erstaunliche Rettung der Romantik

Es ist nun inter­es­sant, dar­über zu spe­ku­lie­ren, ob sich nicht in jeder Hel­den­rei­se stets zwei Hel­den auf den Weg begeben.—Ein männ­li­cher Held und eine weib­li­che Hel­din zugleich, die zwar getrenn­ter Wege gehen, aber im ent­schei­den­den Moment gemein­sam auftreten.

Hin­ter jeder muster­gül­ti­gen Hel­den­rei­se steht das dra­ma­ti­sche Gesche­hen einer Initia­ti­on: Der Kna­be oder auch das Mäd­chen wird sich selbst über­win­den und ›ster­ben‹ müs­sen.—Nach Bewäl­ti­gung ihrer schick­sal­haf­ten Lebens­kri­se wer­den die Prot­ago­ni­sten in neu­er Gestalt ›wie­der­ge­bo­ren‹, nicht ›nur‹ als Mann oder Frau, son­dern als ›gan­zer‹, viel­leicht auch als ›neu­er‹ Mensch.

Die typi­schen Kan­di­da­ten die­ser Plots sind anfangs nicht im gering­sten moti­viert, sich irgend­wie her­vor­zu­he­ben. Eher not­ge­drun­gen machen sie sich schließ­lich doch auf den Weg, zunächst zu ihrem Men­tor und dann ins Aben­teu­er. Es gilt, sich zu ent­fal­ten, denn da stecken eini­ge bis­lang unbe­kann­te, noch schlum­mern­de Fähig­kei­ten in ihnen.

Der eigent­li­che ›Sinn‹ und das Ziel jeder Hel­den­rei­se liegt dar­in, fast schick­sal­haf­te Hemm­nis­se durch Ent­wick­lung zu überwinden.—Das ist nur mög­lich durch Kon­fron­ta­ti­on mit einem tief sit­zen­den, viel­leicht noch gar nicht bewußt gewor­de­nem trau­ma­ti­schen Ereig­nis. Das alles wird ver­deckt von einem Schat­ten, der das alles ver­deckt; auch die ver­bor­ge­nen Kräf­te, die wäh­rend der Hel­den­rei­se all­mäh­lich ent­wickelt werden. 

Längst gehen bereits merk­wür­di­ge Zei­chen der kom­men­den Zeit vor­aus. Aber sie wer­den nicht wahr­ge­nom­men. Man ist durch tag­täg­li­che Ver­drän­gungs­ar­beit auf der Hut vor wei­te­ren Bela­stun­gen und will auf gar kei­nen Fall dar­an erin­nert zu wer­den, daß etwas im Argen liegt.—Aber die­ser Bann wird jetzt gelöst, denn der Held oder die Hel­din wer­den sich dem Problem nun­mehr bewußt aus­set­zen. Man wird das Unge­heu­er auf­su­chen, um per­sön­lich mit ihm zu sprechen.

Tho­mas Coo­per Gotch: Unschuld (1904).

Bis es jedoch zu die­ser alles ent­schei­den­den Begeg­nung kommt, sind lan­ge Wege zu gehen, tie­fe Äng­ste zu über­win­den und neue Fähig­kei­ten zu erwer­ben, was erst all­mäh­lich zur Los­lö­sung vom Alt­her­ge­brach­ten füh­ren wird.

Auf dem Weg zur Selbst­be­geg­nung in den Schat­ten­wel­ten der unbe­wuß­ten Erfah­run­gen, wer­den die zuvor trau­ma­ti­sie­ren­den und daher unter­drück­ten Erfah­run­gen all­mäh­lich offen­bar. Es sind immer auch Bewäh­rungs­pro­ben, an denen nicht weni­ge schei­tern. Aber mit dem auf­kom­men­den hel­den­haf­ten Mut und zusätz­lich erwor­be­nen Kom­pe­ten­zen ent­ste­hen neue, unge­ahn­te Potentiale.—Mit zuneh­men­der Selbst­er­fah­rung und durch Bewäl­ti­gung man­cher Kri­sen, kommt immer mehr Selbst­ver­trau­en auf. 

Der Weg führt nicht nur an Gren­zen, son­dern weit dar­über hin­aus: Ent­schei­dend ist ech­te Ver­zweif­lung und wah­re Lie­be, erst das moti­viert die Bereit­schaft zur ulti­ma­ti­ven Selbstaufgabe.—Im oft dra­ma­tisch insze­nier­ten Show­down kommt es sogar zur unver­hoff­ten Erret­tung längst ver­lo­ren geglaub­ter Idea­le: Die wie­der­hol­te Selbst­über­win­dung aus Grün­den der Lie­be, ist bei alle­dem das heim­li­che Motiv aller Motive.

Sogar die eigent­lich längst dekon­stru­ier­ten Idea­le roman­ti­scher Lie­be fei­ern dann fröh­li­che Urständ. Tat­säch­lich wird Hel­den eben­so wie Hel­din­nen abver­langt, in der Wahl zwi­schen Lie­be und Risi­ko die Lie­be zu wäh­len, was eigent­lich Selbst­auf­ga­be, also die Bereit­schaft zur Selbst­auf­op­fe­rung bedeutet.

Erst die­se Arran­ge­ments gehen bis zum Äußer­sten. Erst die­se füh­ren zum Mei­stern der gewal­tig­sten Wag­nis­se, bis hin zu ›Tod‹ und ›Wiedergeburt‹.—Tatsächlich schrecken die Hel­den und Hel­din­nen die­ser Mei­ster­er­zäh­lun­gen auch vor ulti­ma­ti­ver Selbst­über­win­dung nicht mehr zurück. Sie gehen wirk­lich bis ans Äußer­ste und dar­über hin­aus. Genau das ent­spricht der roman­ti­schen Uto­pie und erret­tet schluß­end­lich ihre Idea­le doch.

Wo Roma­ne, Erzäh­lun­gen, Bücher, Fil­me oder Theo­rien vie­le Leser und Zuschau­er fes­seln, tief berüh­ren und ihnen viel­leicht sogar aus der See­le spre­chen, dort steht die Nar­ra­ti­ve der Hel­den­rei­se stets im Hintergrund. 

In den Mythen geht es immer wie­der um Ori­en­tie­rungs­wis­sen, also wer­den uni­ver­sel­le Erfah­rungs­mu­ster neu in Sze­ne gesetzt. Das hat der US–Amerikanische Kul­tur­anthro­po­lo­ge Joseph Camp­bell in Ver­gleichs­stu­di­en über die­se Mei­ster­er­zäh­lun­gen aus der gan­zen Welt zei­gen können. 

In sei­nen Stu­di­en ließ sich Camp­bell von der Tie­fen­psy­cho­lo­gie von Carl Gustav Jung lei­ten, durch fern­öst­li­che Schrif­ten, die der Indo­lo­ge Hein­rich Zim­mer über­setzt und kom­men­tiert hat, durch die Expe­ri­men­tal­phi­lo­so­phie von Fried­rich Nietz­sche und durch das Kon­zept von Wil­le und Ver­zweif­lung bei Arthur Scho­pen­hau­er.

Sei­ne Meta­theo­rie der Mythen hat­te Joseph Camp­bell in den 50er Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts bereits publik gemacht, fand zunächst aber kaum Anklang.—Erst nach einer Rei­he von Fern­seh­in­ter­views auf der Sky­wal­ker Ranch von Geor­ge Lucas, dem Dreh­buch­au­tor, Pro­du­zen­ten und Regis­seur von Star Wars, wur­den die­ses Theo­rie­kon­zept auch einem brei­ten Publi­kum bekannt.

Inzwi­schen waren längst Film­schaf­fen­de auf die­ses Meta­kon­zept auf­merk­sam gewor­den. All­mäh­lich wur­den ent­spre­chen­de Dreh­bü­cher zum Erfolgsrezept.—Seither las­sen sich Autoren, Dreh­buch­schrei­ber, Fil­me­ma­cher, aber auch Psy­cho­the­ra­peu­ten von der hin­ter­grün­di­gen Dra­ma­tur­gie einer Hel­den­rei­se an den ein­zel­nen, muster­gül­ti­gen Weg­sta­tio­nen inspirieren.

Das Theo­rie­kon­zept der Hel­den­rei­se ist ein Genie­streich, weil wir damit in die Lage ver­setzt wer­den, uns selbst beim Zuhö­ren, Mit­er­le­ben und Nach­emp­fin­den über die Schul­tern zu schau­en: Was macht einen ›guten‹ Plot aus? Wor­um geht es wirk­lich in einer aktu­el­len Kri­se? Bei wel­cher der 64 Weg­sta­tio­nen befin­det sich die betrof­fe­ne Per­son gerade?

Wenn wir uns nun in einer sol­chen Erzäh­lung spie­geln, wenn Leser und Zuschau­er sich iden­ti­fi­zie­ren kön­nen, weil sie sich selbst wie­der­erken­nen, dann ste­hen uns nicht mehr nur die Nar­ra­ti­ve selbst zur Ver­fü­gung, son­dern gleich die gan­ze Dra­ma­tur­gie aller die­ser Geschichten.

Nicht von unge­fähr sehen wir anfangs allen­falls durch­schnitt­li­che Men­schen in einer unspek­ta­ku­lä­ren All­tags­welt, die viel­leicht schon erste Ris­se bekommt. Aber die­se Noch–Nicht–Helden den­ken noch nicht im Traum dar­an, bald schon auf eine aben­teu­er­li­che Rei­se zu gehen…

Alle Mythen und Mär­chen fol­gen in immer neu­en Vari­an­ten die­ser muster­gül­ti­gen Dra­ma­tur­gie: Das Gilgamesch–Epos, die Odys­see von Homer oder Amor und Psy­che von Apu­lei­us, Wil­helm Mei­ster von Goe­the eben­so wie die Phä­no­me­no­lo­gie des Gei­stes von Hegel, alle die­se Wer­ke ent­spre­chen dem Metaplot einer Heldenreise.—Derweil ist Kaf­kas Pro­zeß ein war­nen­des Bei­spiel, was pas­siert, wenn sich der ver­meint­li­che Held nicht auf den Weg macht, son­dern nur war­tet, bis es zu spät ist: Das Leben wird dann in erschrecken­der Selbst­ver­fan­gen­heit ein­fach nur ver­wirkt.


Rollenarbeit meets Philosophie

Workshop

Wer schon immer mehr dar­über erfah­ren woll­te, wie die Figu­ren unse­rer Insze­nie­run­gen und poe­ti­schen Wel­ten erschaf­fen wer­den, ist hier genau rich­tig: Ein Work­shop zur Rol­len- und Cha­rak­ter­ar­beit bei Thea­ter ANU mit Jacek Klin­ke – lang­jäh­ri­ges Ensem­ble­mit­glied, Thea­ter­päd­ago­ge und Regis­seur -, und dem Phi­lo­so­phen Heinz-Ull­rich Nennen.

Die Göt­ter wer­den auch hier das The­ma sein: Wel­cher Gott, wel­che Göt­tin passt zu mir? Wie kre­iere ich mir eine Figur, in die ich mich wirk­lich fal­len las­sen kann, die Kraft und Bestand hat – in unse­rer Spiel­welt wie viel­leicht auch in unse­rer Lebens­welt… Der Work­shop rich­tet sich an Lai­en­spie­ler, Rol­len­spie­ler und pro­fes­sio­nel­le Schau­spie­ler. Er ist eine wun­der­ba­re Vor­be­rei­tung für unse­re Role­play Xpe­ri­ence DAS LETZT BÜNDNIS.

Jacek Klin­ke ist 1978 in Gliwice/​Polen gebo­ren, lebt seit 2003 in Ber­lin. Nach dem Abitur begann er zunächst sein Stu­di­um der ost­eu­ro­päi­schen Geschich­te und klas­si­scher Archäo­lo­gie an der Uni­ver­si­tät zu Köln. Bereits wäh­rend des Stu­di­ums besuch­te er die ersten Schau­spiel­kur­se. Von 2003 bis 2006 stu­dier­te er Schau­spiel am Micha­el Tschechow Stu­dio in Berlin.
Mit sei­nem Schau­spiel­ab­schluss begann sein selb­stän­di­ges künst­le­ri­sches Schaf­fen. Ein enger Koope­ra­ti­ons­part­ner auf sei­nem Weg ist das Thea­ter ANU mit dem er seit 2007 zusammenarbeitet.
Neben dem Beruf auf der Büh­ne betä­tigt er sich in den Berei­chen Regie und Thea­ter­päd­ago­gik. Er schätzt bei­de Sei­ten der Büh­ne und ist von dem mög­li­chen gegen­sei­ti­gen Lern­pro­zess begeistert.

Als hohe Maxi­me gel­ten für ihn der offe­ne Blick und das Ver­dich­ten zur Wahrheit.

Heinz-Ulrich Nen­nen, geb. 1955 in Rhei­ne im Ems­land, ist Pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie am Karls­ru­her Insti­tut für Tech­no­lo­gie (KIT).
The­men: Phi­lo­so­phi­sche Psy­cho­lo­gie – Selbst­er­fah­rung, Hel­den­rei­se, – Mythen, Mär­chen, Mei­ster­er­zäh­lun­gen – Psy­cho­ge­ne­se, Ideen­ge­schich­te – Ori­en­tie­rungs­wis­sen, Selbst­ori­en­tie­rung – Kör­per, See­le, Lie­be, Selbst und Geist – Dia­lo­ge, Dis­kur­se und Meta­phern sowie Zeit­geist- und Diskursanalysen.
Prof. Nen­nen ver­an­stal­tet Phi­lo­so­phi­sche Cafés und betreibt eine Phi­lo­so­phi­sche Pra­xis in Münster.

Sein Mot­to: „Zunächst muss das Eigent­li­che zur Spra­che gebracht wer­den, denn nur so kommt das Neue ins Den­ken. Von dort kann es in die Welt gelan­gen und spä­te­stens dann wird es auch im eige­nen Leben nicht ganz ohne Wir­kung bleiben.“

Jacek Klin­ke als Ker­kil in SCHATTENWALD

Jacek Klin­ke als Alef in SHEHERAZADE

Mit Jacek Klin­ke und Heinz-Ull­rich Nennen

11:00h @Theaterhaus Ber­lin Mitte
Aug
15
Rol­len­ar­beit meets Philosophie
11:00h @Theaterhaus Ber­lin Mitte
Aug
16
Rol­len­ar­beit meets Philosophie
Nor­di­sches Mahl + Ein­tritt Ygg­dra­sil am glei­chen Abend

Dreamer in Dülmen

Dülmen | Dreamer, am 5. + 6. August 2025, bei Einbruch der Dunkelheit

In einem Dorf wird seit Gene­ra­tio­nen etwas Wil­des in einem Turm gefan­gen gehal­ten. Wer oder was ist ES?
Als ein Feu­er das Dorf in Asche legt, stürzt der Turm ein, die „Bestie“ kann sich befreien.

Es kommt zur Treib­jagd, um das Wil­de wie­der ein­zu­fan­gen. Das Publi­kum wird Teil der Jagd­ge­sell­schaft, gemein­sam mit den Spie­lern. Doch es gesche­hen selt­sa­me Din­ge: Durch ein Zau­ber­spiel wird eine Hasen­pla­ge aus­ge­löst, den Dorf­be­woh­nern wach­sen lan­ge Tier­schwän­ze, und ein star­kes Beben erschüt­tert das Land.
Alles scheint aus den Fugen gera­ten und alle Ver­su­che, die Zusam­men­hän­ge zu ver­ste­hen und die eige­ne Welt wie­der beherrsch­bar zu machen, schei­tern. Was ist das Geheimnis?

Ein Ich, zwei Zustän­de, unend­lich vie­le Mög­lich­kei­ten… DREAMER!

Termine

  • 5.+6.08.2025

Tickets

Eintrittskarten

Im Rah­men des Dül­mer Som­mer 2025.

wei­te­re infos hier:
https://​www​.duel​men​.de/​n​e​w​s​-​d​e​t​a​i​l​/​d​e​r​-​d​u​e​l​m​e​n​e​r​-​s​o​m​m​e​r​-​2​0​2​5​-​k​o​mmt

Ver­an­stal­tungs­ort
Stadt­park an den Wiesen

Spiel­be­ginn
bei Dun­kel­heit, Info folgt!

Regen
Die Ver­an­stal­tung fin­det auch bei Regen statt (aus­ge­nom­men Unwet­ter, Sturm etc.). Wir emp­feh­len grund­sätz­lich festes Schuh­werk und Regen­klei­dung. Von Regen­schir­men bit­ten wir abzu­se­hen. Es wer­den nicht immer befe­stig­te Wege beschrit­ten. Die Insze­nie­rung ist damit lei­der nur bedingt bar­rie­re­frei erleb­bar. Falls die Ver­an­stal­tung aus Wet­ter­grün­den vor Voll­endung einer Stun­de Spiel­zeit abge­sagt wer­den muss, berech­tigt das Ticket nach Ver­füg­bar­keit den Ein­tritt an einem wei­te­ren Spiel­ter­min von DREAMER.

Drea­mer in Dül­men am 5. + 6. August, bei Ein­bruch der Dämmerung


Befreit die Liebe?!

ARSAMATORIA TEATIME
Sams­tag 18. Janu­ar 2025
14 – 16 Uhr
Ber­lin, B1 Galerie

BEFREIT DIE LIEBE?!

Wir laden Euch zu unse­rer ersten Teati­me im Jahr 2025 ein. Gemein­sam mit unse­rem Gast, dem Phi­lo­so­phen Prof. Heinz-Ulrich Nen­nen möch­ten wir über die Lie­be spre­chen, die wir einer­seits gezähmt in Käfi­gen unse­rer Nor­mie­run­gen hal­ten und der wir ande­rer­seits so viel Bedeu­tung für unser eige­nes Lebens­glück bei­mes­sen – ein Gespräch über die Wild­heit der Lie­be und die Hoff­nung, dass wenn wir sie befrei­en, sie uns befreit.

Der Ein­tritt ist frei.

Heinz-Ulrich Nen­nen ist Pro­fes­sor für Phi­lo­so­phie mit den Schwer­punk­ten Phi­lo­so­phi­sche Psy­cho­lo­gie, Mei­ster­er­zäh­lun­gen in Mythen, Mär­chen und Meta­phern: Hel­den­rei­se, Psy­cho­ge­ne­se, Ori­en­tie­rungs­wis­sen, sowie für Zeit­geist- und Diskursanalysen. 


Supervision – Fortbildung für Lehrkräfte

SS 2024 | 3 Work­shops: Frei­tags, den 7., 14., und 21. Juni 2024 | jeweils von
14–18 Uhr | Ort: Café-arte | Kul­tur­ca­fé im Sand­stein­mu­se­um | Gene­rich 9,
48329 Havixbeck

Leh­rer­fort­bil­dung

Super­vi­si­on für Leh­rer und
Leh­re­rin­nen

Prof. Dr. phil. Heinz–Ulrich Nennen
heinz-ulrich.nennen@t‑online.de


Supervision – Block

SS 2024 | Zunächst 5 Semi­na­re online:
29.06.2024 | 06.07.2024 | 13.07.2024 | 20.07.2024 | 27.07.2024
dann folgt eine Blockveranstaltung:
Fr, 09., Sa, 10., So, 11.08.2024

Semi­nar

Super­vi­si­on für Leh­rer und
Leh­re­rin­nen

Prof. Dr. phil. Heinz–Ulrich Nennen
heinz-ulrich.nennen@t‑online.de


Supervision – wöchentlich

SS 2024 | mitt­wochs | 14:00–15:30 Uhr s.t. | Raum: Online
Beginn: 16. April 2024 | Ende: 23. Juli 2024

Semi­nar

Super­vi­si­on für Leh­rer und
Leh­re­rin­nen

Prof. Dr. phil. Heinz–Ulrich Nennen
heinz-ulrich.nennen@t‑online.de