
Pierre Mignard: Clio (1689). Die Muse der Geschichtsschreibunng mit Griffel, Buch und Trompete. Keine der Musen dürfte es schwieriger haben, denn was sie sieht, ist derart himmelschreiend, so daß man den Eindruck bekommt, als wollte sie bedauern, als hätte sie ihren Blick zum Himmel gerichtet, weil sie um Vergebung bitten möchte.
Über den Dreiklang der Zivilisation: Zivilisierung, Kolonisierung, Vernichtung.
Kritik wertet meistens nur negative Leistung, nicht positive.(Inschrift lt. Fotographie, Gerhart-Hauptmann-Haus, Hiddensee 2003.)
„Wo denn eigentlich liegen die Motive der Geschichte? Wer hat sie? Wer trägt sie empor? Ich meine jene Motive, von denen der Historiker faselt, indem er etwa schreibt: ‚Der Handelsneid Englands verschuldete den Krieg von 1914.‘ ‚In edlem Zorne erhob sich das gesamte Deutschland.‘ ‚Der Ruf der Rache durchzitterte ganz Frankreich.‘ ‚Ganz Italien war von Begeisterung durchglüht‘ usw.” (Ebd. S. 43.)„Nun aber wird Geschichte bekanntlich von Überlebenden geschrieben. Die Toten sind stumm. Und für den, der zuletzt übrig bleibt, ist eben alles, was vor ihm dagewesen ist, immer sinnvoll gewesen, insofern er es auf seine Existenzform bezieht und beziehen muß, d.h. sich selbst und sein Sinnsystem eben nur aus der gesamten Vorgeschichte seiner Art begreifen kann. Immer schreiben Sieger die Geschichte von Besiegten, Lebendgebliebene die von Toten.” (Ebd. S. 63.)„Jedes Blatt Geschichte, von der frühesten Ahnenzeit bis zur Gegenwart, predigt immer und immer wieder neu, daß historisch-politische Ideale Umschreibungen für praktische Absichten sind und nie etwas andres sein können, wenn auch freilich jedes Volk das andere totzuschlagen oder zu begaunern sucht in der heiligsten und reinsten Überzeugung, die Kultur, den Weltfrieden, die Sittlichkeit, das Recht und ich weiß nicht was alles zu verwirklichen.” (S. 67.)